Hochrhein-Bodensee | 30.09.2009
Das Konstanzer »Institut für professionelles Schreiben« kümmert sich um einen zentralen Wirtschaftsfaktor. Manches Schreiben eines Managers enthält mehr Fehler als der Schulaufsatz seines Sohnes. Und manches Angebot einer Firma hat nur deswegen keinen Erfolg, weil die Beschreibung des Produkts so holprig daherkommt, dass der Auftraggeber sich gar nicht die Mühe macht, den Text zu lesen. An der Hochschule Konstanz nimmt sich das »Institut für professionelles Schreiben« (IPS) solcher Probleme an.
In den Management-Etagen der Wirtschaft haben schwarze Zahlen mehr Gewicht als goldene Worte. Doch wo es vermeintlich nur um Statistiken und Gewinnmaximierung geht, ist die Sprache allgegenwärtig: Angefangen bei der Mail an die Mitarbeiter über die Präsentation eines neuen Produktes bis hin zur Rede vor den Aktionären sind auch Ökonomen beständig dazu gezwungen zu formulieren. Je präziser sie das können, desto effektiver werden ihre Anweisungen umgesetzt. Gute Kommunikation ist ein Wirtschaftsfaktor.
Das hat man auch an der Hochschule Konstanz erkannt, wo sich das »Institut für professionelles Schreiben« als interdisziplinäre Einrichtung versteht. Gegründet wurde es 2006. Einer der Gründer war Prof. Dr. Volker Friedrich, der Schreiben und Rhetorik lehrt und als Direktor des Instituts dafür plädiert, die Bedeutung des Themas nicht zu unterschätzen. Ein Unternehmen setze viel Geld in den Sand, wenn es mehrere Dutzend Mitarbeiter wochenlang mit dem Verfassen eines Angebots beschäftige, das danach nur deswegen im Papierkorb landet, weil es unverständlich formuliert ist.
Im angelsächsischen Raum gehört das Schreiben schon länger zur Grundausbildung auch in technischen und wirtschaftlichen Studiengängen. Hierzulande sieht es anders aus: »In Deutschland ist das Thema Schreiben im akademischen Kontext unterbelichtet«, konstatiert Friedrich, dessen Institut daher eine Besonderheit in der Hochschullandschaft darstellt.
Die Institutsmitglieder sind Spezialisten für das Verhältnis zwischen Bild und Text. Sie beschäftigen sich zum einen mit der Untersuchung professioneller Kommunikation und stehen zum anderen als Dienstleister zur Verfügung. Zum Beispiel ist so im Jahr 2007 eine umfangreiche Studie zur Werbewirksamkeit des Online-Dienstes »Peter zahlt« entstanden. Das IPS beschränkt sich eben nicht auf die wissenschaftliche Analyse oder eine rein sprachliche Optimierung: Das Institut entwickelt sowohl für Unternehmen als auch für öffentliche Einrichtungen Medienprodukte aller Art, vom Mitarbeiter-Magazin bis zum E-Book. Schwerpunkte im Weiterbildungsprogramm sind unter anderem Bild-, Schreib- und Präsentationsrhetorik, Corporate Publishing, Kommunikation im Internet, interne Kommunikation sowie das Themengebiet »Lernende Organisation«.
Die Beratung ist dabei als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht: »Wir begleiten die Unternehmen bis zu einem gewissen Grad«, berichtet Friedrich. Schließlich sei das Institut keine Agentur. Die Kunden profitieren nicht nur ideell. Denn eine angemessene Kommunikation erhöht zum einen die Effizienz der internen Abläufe, sie prägt aber auch das Image nach außen. »Unternehmen, die sich in diesem Bereich gut aufstellen, haben Vorteile«, so der Experte.
Weitere Informationen unter www.ips.htwg-konstanz.de